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Das meiste lernen wir nicht in der Schule

04.02.2009
Artikel von Walter Jäggi, Tagesanzeiger-Ausgabe von 04. Februar 2009
Bild von Sophie Stieger: Hier wird gelernt: Augenschein in der Sternwarte Urania

Zwei Drittel von dem, was wir wissen und können, haben wir nicht in der Schule gelernt. Darüber, wie dies geschieht, wird erstaunlich wenig diskutiert.

«Die Kinder, die noch alles wissen wollen, was in ihrer Umwelt vorgeht, und die die Erwachsenen ständig mit ihren Warum-Fragen nerven, verlieren diese Neugierde meist nach den ersten Schuljahren. Und sie verlassen die Schule oft überfüttert mit Antworten, nach denen sie nie gefragt haben und die sie auch in ihrem Leben nie interessieren und brauchen werden.» Diese Bemerkung stammt nicht von einem fundamentalen Schulkritiker, sondern vom erfahrenen Erziehungswissenschaftler Günther Dohmen.
Der Professor macht die Feststellung in einer Studie für das deutsche Bildungsministerium, deren Titel alles sagt: «Das informelle Lernen – Die internationale Erschliessung einer bisher vernachlässigten Grundform menschlichen Lernens für das lebenslange Lernen aller.»

Das «informelle Lernen»

Schon der Begriff «informelles Lernen» ist ausserhalb der Fachwelt wenig bekannt. Gelernt wird, das wissen alle, in der Schule, vom Kindergarten bis zur Universität oder Berufsschule. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Die Erziehungswissenschaftler sind sich einig darin, dass etwa 70 Prozent der Lernprozesse ausserhalb des Schulsystems stattfinden. Formales Lernen findet in der Schule statt, es führt systematisch zu einem Lernziel – und zu einem Zeugnis. Informelles Lernen kann überall stattfinden, es braucht keine Strukturen, keine Lehrpersonen – und wird nicht mit einem Zeugnis honoriert.

Gelegenheiten, ganz ohne Schulbuch und ohne Lehrerin Wissen zu erwerben, gibt es viele:

  • Am Arbeitsplatz erklärt ein Kollege oder ein Vorgesetzter einen Arbeitsablauf. Solches On-the-job-Training ist unerlässlich, denn die wenigsten beruflichen Fähigkeiten können in der Schule erworben werden. Zudem veraltet schulisches Wissen schnell. Die Qualität der Ausbildung am Arbeitsplatz hängt vom didaktischen Geschick der – dafür meistens nicht ausgebildeten – Mitarbeiter ab.
  • In vielen Unternehmen sind die Angestellten verpflichtet, sich selbstständig auf dem Laufenden zu halten. Dafür müssen sie Handbücher konsultieren oder interne Schulungsprogramme am PC absolvieren. Grossunternehmen stellen professionell produzierte Lehrmittel bereit, in kleineren Firmen bleibt vieles der Initiative des Einzelnen überlassen.
  • Mit dem Studium von Fachlektüre oder dem Besuch von Messen und Kongressen kann man seine in der ursprünglichen Ausbildung gewonnenen Kenntnisse aktualisieren und ergänzen – bis das Grundwissen nur noch einen winzigen Teil des Gesamtwissens ausmacht. Computerwissen wird vermutlich zum grössten Teil auf diesem Weg verbreitet.
  • Für manche Menschen ist das Hobby spannender als der Beruf, sie investieren viel Zeit und Herzblut ins Musizieren, Kochen, Aquarellieren oder Modellflugzeugbauen, besuchen Kurse und verschlingen Bücher. Andere lassen sich zum Sporttrainer ausbilden, sind in einer Partei oder im Samariterverein aktiv und müssen sich zu diesem Zweck Spezialwissen aneignen.
  • Reisen bildet, heisst es. Selbst wer Museen und Ausstellungen zum Gähnen findet, kann von einem Auslandaufenthalt profitieren, etwa wenn er dort seine Sprachkenntnisse erprobt. Die Hauptmotivation für Ferienreisen ist allerdings laut den Touristikexperten der Universität St. Gallen das Entspannen und Ausruhen, Bildung, kulturelle Horizonterweiterung kommen in der Rangliste weit hinten.
  • Gute Gelegenheiten, etwas zu lernen, bieten die Medien. Wissen-Rubriken in der Presse und populärwissenschaftliche Sendungen am Fernsehen haben Hochkonjunktur. Viele Fernsehsender bieten im Internet darüber hinaus Zusatzmaterial an, das Schweizer Fernsehen unter der Rubrik SF Wissen. Nach wie vor gibt es auch das Schulfernsehen mit Lernprogrammen und Internet-Extras, die zum grössten Teil auch dem Publikum zugänglich sind (in der Deutschschweiz SF Wissen my School). Wie Medienforscher in Deutschland ermittelt haben, gehören Informations- und Nachrichtensendungen bei den 12- bis 19-Jährigen zu den Lieblingsangeboten (Comics bei den Buben und Soaps bei den Mädchen schwingen aber obenaus).
  • Wer sich im Web tummelt, stösst auf umfangreiches Material für die persönliche Weiterbildung. Das Problem ist, dass die Qualität der Informationen äusserst uneinheitlich ist. Die Nutzung der unermesslichen Datenschätze erfordert einige Kenntnisse und viel kritisches Denkvermögen. Sogar Studentinnen und Studenten, so klagen manche Professoren, sind im Umgang mit den Internetressourcen erstaunlich ungeschickt und unkritisch.
  • Zum informellen Lernen gezählt wird schliesslich das beiläufige Lernen. Auch ein Fernsehkrimi, ein Gespräch mit der Grossmutter, eine Beobachtung im Supermarkt, eine Kinderfrage oder ein Kreuzworträtsel können der Anlass sein. Mancher Berufswunsch geht darauf zurück, dass man in einer TV-Serie gesehen hat, wie toll es ist, einen Rettungshelikopter zu pilotieren, einen Verbrecher zu überführen oder einen Zooelefanten zu operieren. Allerdings kommt so auch manches Fehlurteil zustande.

Das informelle Lernen gewinnt heute an Bedeutung. Wer aus der Lehre oder von der Hochschule kommt, wird bald feststellen, dass das Lernen jetzt erst richtig beginnt. Der technische Fortschritt, die Globalisierung, die ständigen Restrukturierungen, die immer unstabileren Arbeitsverhältnisse erfordern das lebenslange Lernen. Und das wird nicht immer vom Arbeitgeber auf dem Silbertablett angeboten, sondern verlangt die Initiative und die Bemühung des Einzelnen.

Wissen ohne Noten

Aktuelles Wissen muss immer wieder geholt werden – Recherchieren, Fragen, Suchen ist aber etwas, was die Schule kaum lehrt. Dort sind die Antworten wichtiger als die Fragen, sie führen zu guten Noten. Fähigkeiten wie etwa Kooperationsbereitschaft, Flexibilität, Belastbarkeit finden dabei kaum Berücksichtigung.
Informelles Lernen lässt sich schwer in Zeugnisnoten fassen, entsprechend schwierig ist es, auf diese Art erworbene Kenntnisse mit einem offiziellen Gütezeichen zu versehen. Nach wie vor gilt ein Diplom mehr als das Wissen, das jemand auf eigene Initiative erworben hat. Bestrebungen, auf informellem Weg erworbene Fähigkeiten zu anerkennen, sind aber im Gang.

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