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Harmos - Will der Staat uns die Kinder klauen?

23.06.2008
Zurzeit entscheiden die Kantone darüber, ob sie dem HarmoS-Konkordat beitreten wollen oder nicht. Die SVP ergreift dagegen in vielen Kantonen das Referendum. Sie wolle keine «Staatskinder». Aber werden Eltern die Kinder tatsächlich weggenommen, wenn sie nun alle in den Kindergarten gehen und die Möglichkeit haben, freiwillig einen Mittagstisch zu besuchen?

Text Franziska Peterhans

Gestern war der Geburtstag eines  meiner drei Kinder. Ich habe gebacken, gekocht, dekoriert und Gäste eingeladen, aber eigentlich hätte ich einfach den ganzen Tag tanzen können vor Freude und Stolz auf mein Kind. Niemals hätten mein Mann und ich die Erziehung unserer drei Kinder dem Staat übertragen wollen. Wir wären als Eltern um die schönste und ehrenvollste Aufgabe in unserem Leben gebracht worden. Sich also schnell um einen  Unterschriftenbogen bemühen und das Referendum gegen HarmoS unterschreiben? Nein!

Was ist HarmoS überhaupt?

HarmoS heisst «Harmonisierung der obligatorischen Schule». Es ist eine Vereinbarung, die zwischen den Kantonen getroffen wird. Kantone, die dem HarmoS-Konkordat beitreten, verpflichten sich, Ziele und Strukturen der obligatorischen Schule anzugleichen. So sollen beispielsweise Kinder ab dem vollendeten vierten Altersjahr eingeschult werden.
Bedeutet das nun, dass bereits die vierjährigen Kinder leistungsorientierte Schule erleben? Werden sie in Bänke gezwängt, mit Büchern, Heften und Stiften versorgt und müssen dann gleich lesen und schreiben? Nein, die frühe Einschulung ist nicht das Ende einer (zu) kurzen Kindheit, sondern der Beginn einer wichtigen Phase im verspielten Kinderleben.

Was heisst Einschulung?

Die Einschulung passierte bisher – je nach Kanton – irgendwann um das sechste, siebte Altersjahr mit dem Besuch der obligatorischen ersten Klasse. Vorher ging die Mehrheit der Kinder in den Kindergarten. In den meisten Kantonen werden heute schon zwei Kindergartenjahre angeboten. In mehreren Kantonen besteht bereits eine einjährige Kindergartenpflicht. Das HarmoS-Konkordat macht nun den Kindergarten obligatorisch, und weil er obligatorisch wird, gehört er nun definitiv auch zur Schule. Damit beginnt die Einschulung mit dem Kindergarten.

Nach dem vierten Altersjahr

Das Eintrittsalter für den Kindergarten unterscheidet sich heute leicht von Kanton zu Kanton. In der Regel besuchen Kinder das erste Kindergartenjahr um das fünfte Lebensjahr; je nach Geburtsdatum sind sie aber auch erst vier Jahre und ein paar Monate alt, wenn sie in den Kindergarten eintreten. Meine beiden Söhne waren vier Jahre und drei Monate alt am ersten Kindergartentag und gehörten damit zu den Jüngsten der Klasse, meine Tochter hatte den ersten Kindergartentag mit fünf Jahren und einem Monat und gehörte damit zu den Älteren ihrer Klasse. Nach der Regelung im HarmoS-Konkordat werden nun alle Kinder, die am 31. Juli bereits den vierten Geburtstag gefeiert haben, in den Kindergarten gehen. Mit dieser Regelung hätte meine Tochter ein Jahr früher den Kindergarten besucht, für meine beiden Söhne hätte sich nichts geändert. Im Durchschnitt sind die Kinder nach der Einführung von HarmoS je nach Kanton drei bis sieben Monate jünger als bisher, wenn sie den Kindergarten besuchen.

Kindergarten oder Schule?

Kleine Kinder lernen beim Spielen sehr viel. Weil Kinder in diesem Alter mitten in der körperlichen und geistigen Entwicklung stehen und sich insbesondere auch ihr Hirn in diesen jungen Jahren stark entwickelt, ist es besonders wichtig, dass sie vielfältige Gelegenheiten zum Spielen bekommen. Spielen kann je nach der Art des Spiels eine höchst anspruchsvolle Handlung für das Gehirn sein. Spielend bilden sich die Synapsen (Verbindungen), die für das spätere schulische Lernen wichtig sind. Für gewisse Dinge gilt das alte Sprichwort: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.» Und weil es für das Gehirn viel anspruchsvoller ist, im Sandhaufen eine Burg zu bauen, als vor dem Computer die Maus zu bedienen, wird auch das Spiel „im alten Sinne“ zu Beginn dieser früheren Einschulung die grösste Bedeutung haben. Kinder spielen gerne, wenn man sie lässt, und sie lernen sehr viel dabei.
Ob das nun letztlich im Kindergarten oder teilweise später auch noch in der Primarschule passiert, ist noch offen. Seit rund acht Jahren spricht man nebst dem Kindergarten von der Einführung einer Grund- oder Basisstufe. Es laufen in vielen Kantonen entsprechende Schulentwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Kantone entscheiden, ob sie zu Beginn der Schulzeit den zweijährigen Kindergarten belassen oder die dreijährige Grundstufe (mit heutiger erster Klasse) oder die vierjährige Basisstufe (mit heutiger erster und zweiter Klasse) einführen werden. Sicher wird die individuelle Förderung des Kindes wichtig sein. Das Primat der Erziehung bleibt aber  selbstverständlich bei den Eltern.
Eltern wollen in der Regel das Beste für ihre Kinder, aber sie können es nicht immer allein bieten. Darum sollen Mittagstische und Betreuungszeiten geschaffen werden, für die sich die Kinder und ihre Eltern freiwillig anmelden können. Kein einziges Kind wird gezwungen, eine solche Einrichtung zu besuchen, und keiner Mutter wird ihr Kind weggenommen.
Wer will, dass seine Kinder früh viel lernen, sollte nicht gegen HarmoS sein. Und wer will, dass Kinder betreut werden können, wenn die Eltern das wollen, ebenfalls nicht. Denn betreute und geförderte Kinder haben später mehr Erfolg in der Schule. Das belegen zahlreiche Studien, und das wissen auch die Lehrpersonen aus ihrer Arbeit in der Schule. Eltern müsste es ein Anliegen sein, dass ihre Kinder in einer guten Schule mit guten Rahmenbedingungen gefördert und betreut werden – wichtigste Bezugspersonen und primär zuständig für die Erziehung bleiben sie sowieso.

Franziska Peterhans ist Zentralsekretärin des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Sie arbeitete als Lehrerin und ist Mutter von drei Kindern. f.peterhans@lch.ch, wwwlch.ch

Quelle: Dieser Artikel ist im im jüngsten Fritz & Fränzi erschienen und mit der höflichen Genehmigung der Autorin auf der www.psbb.ch veröffentlicht worden.

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